Faslam?

faslamskarte
„Faslamsland“ im Überblick: Von einigen Enklaven abgesehen, konzentriert sich der Brauch auf das Gebiet des Landkreises Harburg.

Wer nicht im Landkreis Harburg südlich von Hamburg wohnt, der weiss mit großer Wahrscheinlichkeit nichts mit dem Begriff „Faslam“ anzufangen, denn es handelt sich um einen regional recht begrenzt gepflegter Brauch. Wollte man es in möglichst wenigen Worten erklären, müsste man „sowas wie Karneval auf norddeutsch, nur mit anderen Wurzeln und nicht so spießig“ beschreiben.

 

Ursprung

In grauester Vorzeit, so vor hundert oder noch mehr Jahren, fiel den ersten Faslamsbrüdern der Weltgeschichte aufgrund des Winters die Decke auf den Kopf. Es handelte sich dabei größtenteils um Knechte und Mägde der ansässigen Bauern und die hatten in der kalten Jahreszeit nicht allzu viel zu tun. Fernsehen gab es auch nicht und so musste man selbst für Unterhaltung sorgen. Was also tun? Die Antwort fiel ähnlich aus, wie sie heute ausfallen würde: Na klar, Party machen.

Nun handelte es sich bei den ersten Faslamsbrüdern nicht um besonders gut situierte Leute. „Sozial schwach“ würde man wohl heute sagen und deswegen machten sie kurzerhand erstmal einen Zug durchs ganze Dorf und schnorrten sich zusammen, was sie für die große Fete brauchten. Ja, und danach feierten sie eben, legten sich irgendwann besoffen nieder, standen auf und soffen wieder… so wird es jedenfalls auch heute noch in unserem Faslamslied besungen.

 

Faslam in Hoopte

Und so ähnlich läuft es auch heute noch ab, auch wenn die Feierlichkeiten einfach noch ein bisschen ausgedehnt und durch weitere Veranstaltungen erweitert worden sind. Zum Beispiel durch den Faslamsumzug am Sonntag, der, wie man sich denken kann, eine gewisse Vorbereitung voraussetzt. Da müssen nicht nur Wagen gebaut, Kostüme genäht und noch davor viele feuchtfröhliche „Baubesprechungen“ abgehalten werden, sondern auch Kutscher, Spielmannszug und Polizei ins Boot geholt werden.

Faslam beginnt in Hoopte darum bereits Anfang November mit einer großen Versammlung, bei der Faslamsmudder und Faslamsvadder gewählt werden. Die sind sowas wie die Präsidenten des Faslams, eröffnen jede Party mit einem hinreißenden Tanz und geben dem „Lumpenball“, der Kostümparty am Faslamswochenende, sein Motto. Manche Baugruppen haben zum Zeitpunkt dieser Versammlung oft schon erste Ideen für ihren Wagen, die sie dann ab Weihnachten anfangen zu bauen. Ab Anfang Januar mehren sich dann auch die offiziellen Faslamsfeierlichkeiten: Mittwochs trifft man sich zum Stammtisch, bei dem offiziell verschiedene organisatorische Dinge besprochen werden können, in Wahrheit aber vor allem das „Stiefeltrinken“ lockt. Eine zweite und dritte Faslamsversammlung und diverse Baupartys der Gruppen selbst folgen, bevor das eigentliche Faslamswochenende Ende Januar / Anfang Februar folgt.

Das beginnt mit der dritten und letzten Faslamsversammlung und unserer traditionellen Buddelversteigerung am Freitagabend. Bei dieser werden nicht nur viele Schnäpse gekauft, sondern auch getrunken und so entwickelt sich bereits der Auftakt zur ersten richtigen Party eines langen Wochenendes.

Den Samstag über wird dann noch letzte Hand an den Wagen und Kostümen angelegt, bevor es am Nachmittag nacheinander Kindermaskerade, Jugenddisko und schließlich am Abend den Lumpenball gibt, bei dem ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wird.

Wenige Stunden später beginnt dann mit dem Faslamsumzug der Höhepunkt des Wochenendes: Aus Richtung Fliegenberg kommend und an der Feuerwehr eine Ehrenrunde drehend, fahren, tanzen, laufen und wanken die Faslamsbrüder mit ihren Kostümen, Handwagen und großen Festwagen einmal komplett durchs Dorf. Für die Kinder werden Bonschen und Süßigkeiten verteilt, die Erwachsenen mit Schnaps abgefüllt. Das Ganze natürlich mit reichlich Musik und am Straßenrand gibt es außerdem noch diverse Buden für Speis und Trank.

Im Anschluss nach dem Umzug treffen sich aktive Faslamsbrüder, Faslamsgäste und Zuschauer zur After-Show-Party in Grubes Fischerhütte und feiern hier noch ein bisschen weiter.

Der Montag ist dann schließlich der Tag, der wirklich in der alten Faslamstradition der ersten Faslamsbrüder steht. Ab dem Vormittag folgt dann nämlich der zweite Zug durchs Dorf, wieder angeführt von Faslamsmudder und -vadder. Diesmal wird an jeder Haustür geklingelt und – wie früher – geschnorrt, was zu holen ist. Fast im Anschluss an die Schnorrer-Tour geht es dann wieder in Grubes Fischerhütte zum Eieressen mit anschließendem Danz ob op de Deel, bei dem mit der Wagenprämierung der letzte Höhepunkt für die aktiven Faslamsbrüder stattfindet. Anschließend wird noch einmal bis in die Puppen ordentlich Faslam gefeiert – und so unserem Faslamslied alle Ehre gemacht, in dem es ja bekanntlich heisst:

 

Uuuund alle Faslamsbrühühüder
leben so wie ich und du,
alle Faslamsbrühühüder
leben so wie wir.

Sie legen sich besoffen nieder,
stehen auf und saufen wieder,
alle Faslamsbrühüder
leben so wie wir.